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Neurologische Behinderungen

Neurologische Entwicklungsstörungen (neurologische Behinderungen) sind ein Überbegriff für verschiedene chronische Erkrankungen, die während der kindlichen Entwicklung (einschließlich Empfängnis, Geburt und Wachstumsphasen) auftreten können. Die Erkrankungen dauern ein Leben lang an und umfassen Zustände wie Autismus, infantile Cerebralparese, Down-Syndrom, Epilepsie, Multiple Sklerose, Rett-Syndrom etc.[1] Die infantile Cerebralparese ist die häufigste Ursache einer körperlichen Behinderung in der Kindheit: 2-3 von 1000 Kindern sind davon betroffen.[2,3]

Neurologische Behinderungen haben einen signifikanten Einfluss auf den Ernährungsstatus, indem sie sich auf die Nährstoffzufuhr, die Nährstoffverluste und den Energieverbrauch auswirken und gehen oft mit Schluckstörungen (Dysphagie) einher.[4,5] Die infantile Cerebralparese ist die häufigste Erkrankung, bei der eine neurologisch bedingte Dysphagie auftritt.[6] Infolgedessen leidet ein großer Anteil der Kinder mit neurologischen Entwicklungsstörungen – beispielsweise 29-50 % der Patienten mit infantiler Cerebralparese (je nach Schweregrad der Erkrankung) – an Unterernährung.[7] Häufig wird bei diesen Kindern über Wachstumsstörungen berichtet, die sich negativ auf die körperliche und kognitive Entwicklung, Anteilnahme und Lebensqualität im späteren Kindesalter auswirken können.[6]

Die Ernährungstherapie sollte ein fester Bestandteil der Behandlung von neurologisch beeinträchtigten Kindern sein.[7,8] Die Verbesserung des Ernährungsstatus war bei neurologisch beeinträchtigten Kindern mit einem verbesserten Allgemeinzustand, Aufholwachstum, einer verbesserten peripheren Zirkulation, der Abheilung von Dekubitalgeschwüren, verminderter Spastizität, verminderter Reizbarkeit und einer Milderung der Refluxösophagitis verbunden. Dadurch stieg die Lebensqualität der Kinder und der Pflegepersonen und es gab zahlreiche vorteilhafte finanzielle Auswirkungen auf das Gesundheitssystem.[7,9-18]

Wenn das Schlucken kein Risiko darstellt, sollte die orale Nahrungsaufnahme bevorzugt werden. Die enterale Sondenernährung ist bei Kindern mit oralmotorischer Dysfunktion angezeigt, bei denen die Gefahr einer Aspiration besteht oder bei Kindern, bei denen durch alleinige orale Nahrungsaufnahme kein ausreichender Ernährungsstatus aufrechterhalten werden kann. In Fällen, die eine langfristige Ernährungsintervention erfordern, sollte eine Gastrostomie in Betracht gezogen werden.[7] Das Anlegen einer Gastrostomie bei neurologisch beeinträchtigten Kindern brachte signifikante klinische Vorteile ohne wesentliche Kostensteigerung. Es wurde daher der Schluss gezogen, dass dieses Verfahren kosteneffektiv ist.[17]

Manche Kinder mit neurologischen Entwicklungsstörungen verbrauchen möglicherweise aufgrund ihrer Immobilität weniger Energie. Ein Produkt, das die richtigen Mengen an Protein, Vitaminen und Mineralstoffen liefert und den richtigen Energiegehalt hat, ist für diese Kinder unabdingbar, damit ihre Bedürfnisse gedeckt werden können, ohne eine Gewichtszunahme/Adipositas herbeizuführen. Schwerbehinderte Kinder neigen dazu, mehr Körperfett auf Kosten der Magermasse aufzubauen, wenn sie nach Gabe einer herkömmlichen pädiatrischen Sondennahrung über eine Gastrostomiesonde an Gewicht zunehmen. Dies lässt darauf schließen, dass die Energiedichte einer herkömmlichen pädiatrischen Sondennahrung (1 kcal/ml) möglicherweise für viele dieser Kinder zu hoch ist.[19]

Referenzen

  1. Patel DR, Greydanus DE, Omar HA, Merrick J, eds. Neurodevelopmental disabilities. Clinical care for children and young adults. Springer, New York, 2011.
  2. Stanley F, Blair E, Alberman E. Cerebral Palsies: Epidemiology and Causal Pathways. Vol. 151. Mac Keith Press, London, 2000.
  3. www.cerebralpalsy.org
  4. Thommessen M, Riis G, Kase BF, et al. Energy and nutrient intakes of disabled children: do feeding problems make a difference? J Am Diet Assoc 1991;91:1522-5.
  5. Motion S, Northstone K, Emond A, et al. Early feeding problems in children with cerebral palsy: weight and neurodevelopmental outcomes. Dev Med Child Neurol 2002;44:40-3.
  6. Bell KL, Boyd RN, Tweedy SM, et al. A prospective, longitudinal study of growth, nutrition and sedentary behaviour in young children with cerebral palsy. BMC Public Health 2010;10:179 (doi: 10.1186/1471-2458-10-179).
  7. Marchand V; Canadian Paediatric Society, Nutrition and Gastroenterology Committee. Nutrition in neurologically impaired children. Paediatr Child Health 2009;14:395-401.
  8. Kuperminc MN, Stevenson RD. Growth and nutrition disorders in children with cerebral palsy. Dev Disabil Res Rev 2008;14:137-46.
  9. Samson-Fang L, Fung E, Stallings VA, et al. Relationship of nutritional status to health and societal participation in children with cerebral palsy. J Pediatr 2002;141:637-43.
  10. Patrick J, Boland M, Stoski D, et al. Rapid correction of wasting in children with cerebral palsy. Dev Med Child Neurol 1986;28:734-9.
  11. Shapiro BK, Green P, Krick J, et al. Growth of severely impaired children: Neurological versus nutritional factors. Dev Child Neurol 1986;28:729-33.
  12. Sanders KD, Cox K, Cannon R, et al. Growth response to enteral feeding by children with cerebral palsy. J Parenter Enteral Nutr 1990;14:23-6.
  13. Lewis D, Khoshoo V, Pencharz PB, et al. Impact of nutritional rehabilitation on gastroesophageal reflux in neurologically impaired children. J Pediatr Surg 1994;29:167-9.
  14. Craig GM, Carr LJ, Cass H, et al. Medical, surgical, and health outcomes of gastrostomy feeding. Dev Med Child Neurol 2006;48:353-60.
  15. Sullivan PB, Juszczak E, Bachlet AM, et al. Impact of gastrostomy tube feeding on the quality of life of carers of children with cerebral palsy. Dev Med Child Neurol 2004;46:796-800.
  16. Avitsland TL, Kristensen C, Emblem R, et al. Percutaneous endoscopic gastrostomy in children: a safe technique with major symptom relief and high parental satisfaction. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2006;43:624-8.
  17. Townsend JL, Craig G, Lawson M, et al. Cost-effectiveness of gastrostomy placement for children with neurodevelopmental disability. Arch Dis Child 2008;93:873-7.
  18. Stevenson RD, Conaway M, Chumlea WC, et al; North American Growth in Cerebral Palsy Study. Growth and health in children with moderate-to-severe cerebral palsy. Pediatrics 2006;118:1010-8.
  19. Bachlet A, Vernon-Roberts A, Stirling L, et al. Body composition in severely disabled children fed either orally or via gastrostomy. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2003;36:525(O020).