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Medizinischer Hintergrund

Bedarf an alters-/gewichtsadaptierter Nahrung

Jüngere und ältere Kinder haben einen unterschiedlichen Ernährungsbedarf. Daher hat Nutricia Produkte entwickelt, die auf die Bedürfnisse dieser Gruppen zugeschnitten sind (alters-/gewichtsadaptiert). Evans et al. untersuchten in einer Studie geeignete Nahrung für Kinder von 7-12 Jahren, die zu Hause enterale Sondennahrung erhielten, indem sie die Nährstoffzufuhr von drei verschiedenen Produkten verglichen: ein Produkt für Kinder (PF) von 1-6 Jahren (9-20 kg Körpergewicht), ein Produkt für Erwachsene (AF), und ein Produkt für Kinder (NutriniMax) von 7-12 Jahren (21-45 kg Körpergewicht).[1]

Fünfundzwanzig Kinder im Alter von 7-14 Jahren (medianes Alter 10 Jahre) erhielten 9 Monate lang NutriniMax. Ihre Nährstoffzufuhr wurde mit der Baseline-Nahrung (PF, n=10 bzw. AF, n=15) verglichen. Zu Baseline verfehlte das PF bei drei der 19 untersuchten Nährstoffe die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (RNI), während beim AF sechs der 19 untersuchten Nährstoffe mehr als 250% der RNI erreichten. Während der Studie lag die Nährstoffzufuhr von NutriniMax nur bei zwei der 19 untersuchten Nährstoffe unter den RNI, und erreichte nur bei vier der 19 untersuchten Nährstoffe mehr als 250% der RNI. Nur sieben von 10 Kindern, die das PF erhielten, erreichten mindestens 100% des UK RNI für Calcium, in der NutriniMax-Gruppe waren es 17 von 19 Kindern. Die Autoren kamen zum Schluss, dass Produkte, die für Kinder von 7-12 Jahren (bzw. mit 21-45 kg Körpergewicht) entwickelt wurden, den Nährstoffbedarf älterer Kinder besser deckten als Rezepturen für jüngere Kinder oder Erwachsene. Möglicherweise ist jedoch eine weitere Modifikation erforderlich, um den Nährstoffbedarf dieser Gruppe vollständig abzudecken.[1]

Vorteile von Molkenprotein

Produkte auf Molkebasis besitzen bekanntermaßen eine feinere, weichere Konsistenz als Produkte auf Caseinbasis, was zu einer höheren Magenentleerungsrate führt.
Ein molkebasiertes oder -dominiertes Produkt könnte beispielsweise für Kinder mit verzögerter Magenentleerung und/oder Refluxösophagitis (GÖRK) vorteilhaft sein. Bei Nahrung auf Molkebasis erfolgte die Magenentleerung nachgewiesenermaßen schneller als bei caseinbasierten Produkten und war in geringerem Ausmaß mit Erbrechen und GÖRK assoziiert.[2,3] Zudem reduzierte ein molkebasiertes Produkt bei Kindern mit infantiler Cerebralparese, die bei Anwendung eines caseinbasierten Produkts klinische Anzeichen einer GÖRK zeigten, die Dauer der Magenentleerung und das Erbrechen.[4] In einer neueren Studie an 15 Kindern mit infantiler Cerebralparese wurde mit einer Rezeptur mit 40% Casein/60% Molke eine signifikant raschere Magenentleerungsrate erzielt als mit einer vergleichbaren Rezeptur mit 100% Casein, womit der Nutzen des Molkenproteins für manche Kinder erneut bewiesen wurde.[5] In einer anderen doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Crossover-Studie an 20 Kindern (2-9 Jahre) mit schwerer infantiler Cerebralparese verursachte einer Rezeptur mit 50% Molke signifikant weniger Aufstoßen/Würgen als eine Rezeptur mit 18% Molke.[6]

Hoppe et al. prüften die Hinweise zur Wirkung eines Zusatzes von Molke oder Magermilchpulver zu angereicherten Mischprodukten für mangelernährte Säuglinge und Kleinkinder.[7] Sie kamen zum Schluss, dass mit Molke angereicherte Rezepturen einen höheren Anteil an verzweigtkettigen und anderen essentiellen Aminosäuren aufwiesen als Rezepturen mit Protein von Gemüsen oder Hülsenfrüchten. Diese Aminosäuren spielen eine bedeutende Rolle bei der Proteinsynthese und hemmen die Proteolyse – ein wichtiger Faktor bei Unterernährung.

Sowohl Nutrini als auch NutriniMax besitzen eine molkedominierte Rezeptur (Molke/Casein im Verhältnis 60:40) zur Verbesserung der Verträglichkeit und des Proteingleichgewichts.

Funktion der DHA-dominierten LCP-Mischung

Das Bewusstsein für die Bedeutung der langkettigen n-3-Fettsäuren – insbesondere von Docosahexaensäure (22:6n-3, DHA), einer strukturellen Hauptkomponente des Nervengewebes in der Retina und im Gehirn – wächst ständig. Es stellt sich die wichtige Frage, ob bei diätetischer Gabe von α-Linolensäure (18:3n-3, ALA), einer Vorstufe der DHA, durch Umwandlung über enzymatische Prozesse (Elongation und Desaturierung) ausreichende DHA-Mengen verfügbar werden.
Laut einem Review von Williams und Burdge für Studien zur Langzeiteinnahme an Erwachsenen scheint der erhöhte ALA-Verbrauch zu einem Anstieg der Eicosapentaensäure (20:5n-3, EPA) unter den Lipiden im Plasma und in den Zellen zu führen, ein Anstieg der DHA in diesen Lipid-Pools wurde jedoch nicht festgestellt.[8] In vielen Studien wird bei deutlichem Anstieg des ALA-Verbrauchs eine Tendenz zum Abfall der DHA beobachtet. Studien mit stabilisotopen Tracern haben gezeigt, dass ALA nur begrenzt (zu etwa 8%) in EPA umgewandelt wird und die Umwandlung von ALA in DHA in extrem geringem Ausmaß erfolgt (< 0,1%).[9] Daher ist die diätetische Gabe von DHA im Vergleich zur alleinigen Versorgung mit ALA eine weitaus effizientere Maßnahme zur Verbesserung des DHA-Status und zur Deckung des DHA-Bedarfs.[8]

Kinder mit Phenylketonurie (PKU) nehmen n-3-LCPs (EPA und DHA) nur in sehr geringen Mengen auf, da natürliche Nahrungsmittelquellen dieser langkettigen Fettsäuren, z. B. Fleisch, Leber, Fisch, und Eier, in ihrem Ernährungsplan praktisch nicht vorhanden sind. In einer Studie von Beblo et al. wiesen Kinder mit PKU niedrigere DHA-Konzentrationen in den Plasmaphospholipiden auf, was sich in einer im Durchschnitt schlechteren Motorik als in der Kontrollgruppe zeigte. Der Gesamtindex für die motorische Entwicklung (MQ) war signifikant niedriger.[10] Bei Gabe von Fischöl kam es zu einem signifikanten Anstieg des DHA- und EPA-Status und einer signifikanten Verbesserung des MQ, während bei nochmals untersuchten Kontrollpersonen, die kein Fischöl erhalten hatten, keine Veränderungen festgestellt wurden. Dies lässt darauf schließen, dass die Verbesserung bei den PKU-Kindern, die Fischöl erhalten hatten, wahrscheinlich nicht auf einen normalen Entwicklungsprozess oder Trainingseffekt zurückzuführen ist, sondern auf die tatsächliche Wirkung des Fischöls.

In einem Review von Eilander et al. wurde die Bedeutung der DHA für die Entwicklung des Gehirns betont und der Hinweis geliefert, dass die Gabe von DHA während des Stillens und im Kleinkindalter für die frühe visuelle und kognitive Entwicklung von Vorteil sein könnte. Kinder ab 2 Jahren, deren DHA-Aufnahme und/oder DHA-Status gering ist, könnten ebenfalls profitieren – bei 6-16-jährigen Kindern, die eine größere Menge an n-3 und n-6-LCPs aufnahmen, verbesserte sich beispielsweise die Leistung in einem Erinnerungstest.[11]

Sowohl in Nutrini als auch in NutriniMax ist eine LCP-Mischung mit vorwiegend Docosahexaensäure (DHA) enthalten, um die Aufrechterhaltung der mentalen Funktionen zu unterstützen und einem Mangel vorzubeugen. Die Produkte enthalten 35,6 bzw. 33,9 mg DHA/100 kcal und 8,6 bzw. 8,2 mg EPA/100 kcal.

Funktion der Ballaststoffe

Es gibt eine Reihe solider Begründungen für den Zusatz von Ballaststoffen bei Produkten zur enteralen Ernährung. Ballaststoffe können die mit der enteralen Ernährung assoziierte Diarrhoe verhindern oder mildern, Morphologie und Funktion der Zellen in der Darmmukosa erhalten oder stimulieren, und üben möglicherweise eine vorteilhafte Wirkung auf die intestinale Barrierefunktion aus.[12] Ideal ist eine Mischung aus fermentierbaren Ballaststoffen für die Bildung kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) und die Wiederherstellung einer ausbalancierten Mikroflora und weniger gut fermentierbaren Ballaststoffen zur Verbesserung der Stuhlkonsistenz und -viskosität und der Darmmuskulatur sowie möglicherweise als Beitrag zur Reduzierung der bakteriellen Translokation.[12]

Die ballaststoffhaltigen Produkte von Nutrini enthalten eine besondere Mischung aus sechs verschiedenen Ballaststoffen („Multi Fibre 6“, MF6TM). MF6TM ist so weit wie möglich der Ballaststoffmischung angenähert, die man bei einer gesunden Ernährung zu sich nimmt, und bietet das optimale Verhältnis von löslichen und unlöslichen Ballaststoffen einschließlich Frukto-Oligosacchariden (FOS) und Inulin. [11]

In Studien reduzierte MF6TM Obstipation,[12] die Anwendung von Laxantien[13,14] und Diarrhoe,[15] und optimierte die Darmflora bei enteral ernährten Kindern (prebiotischer Effekt)[16]. Trier und Kollegen stellten fest, dass ein MF6TM-haltiges Produkt von Kindern gut vertragen wurde, die Anzahl der Tage mit Obstipation sowie die Anwendung von Laxantien reduzierte und das Wachstum anregte, während die Mikronährstoffprofile beibehalten wurden.[13] In einer Studie von Hofman et al. an Kindern mit Verbrennungen reduzierte eine Sondennahrung mit MF6TM im Vergleich zu einem ballaststofffreien Produkt die Anwendung von Laxantien signifikant (13,3% versus 50%).[14] In einer anderen Studie an Kindern mit chronischen Erkrankungen wurden Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit eines oralen Präparats mit MF6TM mit einer ballaststofffreien Trinknahrung bei 60 chronisch kranken Kindern verglichen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Produkt gut vertragen wurde und den Stuhlgang verbesserte, wodurch der Bedarf an Laxantien zurückging.[15] Grogan et al. wiesen ebenfalls eine gute Verträglichkeit bei Kindern nach, die Produkte mit MF6TM erhielten, sowie Trends zu einer verbesserten Stuhlkonsistenz.[16] In einer neuen Studie zeigte MF6TM schließlich bei Kindern, die das ballaststoffreiche Produkt erhielten, prebiotische Effekte (signifikante Vermehrung der Bifidusbakterien).[17]

Referenzen

  1. Evans S, Daly A, Davies P, MacDonald A. The nutritional intake supplied by enteral formulae used in older children (aged 7-12 years) on home tube feeds. J Hum Nutr Diet 2009;22:394-9.
  2. Billeaud C, Guillet J, Sandler B. Gastric emptying in infants with or without gastro-oesophageal reflux according to the type of milk. Eur J Clin Nutr 1990;44:577-83.
  3. Tolia V, Lin CH, Kuhns LR. Gastric emptying using three different formulas in infants with gastroesophageal reflux. J Pediatr Gastroenterol Nutr 1992;15:297-301.
  4. Fried MD, Khoshoo V, Secker DJ, et al. Decrease in gastric emptying time and episodes of regurgitation in children with spastic quadriplegia fed a whey-based formula. J Pediatr 1992;120:569-72.
  5. Brun CA, Medhus AW, Johnnesdottir GB, et al. Effect of protein composition on gastric emptying rate in children with cerebral palsy. ESPEN abstract 2008;P218.
  6. Graham-Parker C, Prokopishin L, Storm H, et al. Effect of whey-based diet on incidence of vomiting in G-tube fed children with severe neurodevelopmental delay. JPEN 2001; 25:S14 (0051).
  7. Hoppe C, Andersen GS, Jacobsen S, et al. The use of whey or skimmed milk powder in fortified blended foods for vulnerable groups. J Nutr 2008;138:145S–161S.
  8. Williams CM, Burdge G. Long-chain n-3 PUFA: plant v. marine sources. Proc Nutr Soc 2006;65:42-50.
  9. Pawlosky RJ, Hibbeln JR, Novotny JA, et al. Physiological compartmental analysis of alpha-linolenic acid metabolism in adult humans. J Lipid Res 2001;42:1257-65.
  10. Beblo S, Reinhardt H, Demmelmair H, et al. Effect of fish oil supplementation on fatty acid status, coordination, and fine motor skills in children with phenylketonuria. J Pediatr 2007;150:479-84.
  11. Eilander A, Hundscheid DC, Osendarp SJ. Effects of n-3 long chain polyunsaturated fatty acid supplementation on visual and cognitive development throughout childhood: a review of human studies. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids 2007;76:189-203.
  12. Green CJ. Fibre in enteral nutrition. Clin Nutr 2001; 20; 23-39.
  13. Trier E, Wells JCK, Thomas AG. Effects of a multifibre supplemented paediatric enteral feed on gastrointestinal function. J Pediatr Gastroenterol 1999; 28: 595.
  14. Hofman Z, Drunen J, Brinkman JG, et al. Tolerance and efficacy of a multi-fibre enriched tube-feed in paediatric burn patients. Clin Nutr 2001; 20:63
  15. Daly A, Johnson T, MacDonald A. Is fibre supplementation in paediatric sip feeds beneficial? J Hum Nutr Diet 2004;17:365-70.
  16. Grogan J, Watling R, Davies T, et al. Gastrointestinal effects of two fibre enriched paediatric enteral tube feeds. J Hum Nutr Diet 2006;19:45877.
  17. Guimber D, Bourgois B, Beghin L, et al. A specific Multi Fibre mixture in paediatric enteral nutrition is well tolerated and increases bifidobacteria. J Pediatr Gastroenterol 2007:44 (Abstract).