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Hintergrund der Mangelernährung

Die krankheitsbedingte Mangelernährung ist eine versteckte Epidemie, die durch ihre steigende Prävalenz in der heutigen Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. Die Prävalenz der Mangelernährung in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen[5] und bei gebrechlichen älteren Menschen wird auf 25 % bis 30 % geschätzt.

Hohe Prävalenz
Aufgrund ihrer steigenden Prävalenz ist die krankheitsbedingte Mangelernährung als versteckte Epidemie zu bezeichnen, die in der heutigen Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. Das Risiko für eine Mangelernährung wurde im Rahmen von Studien beurteilt und beträgt:

  • im Krankenhaus[4,5,6,7]: 1 von 4 Patienten
  • in Pflegeeinrichtungen[4,5,8,9,10]: 1 von 3 Patienten
  • bei unabhängigen älteren Menschen[11]: 1 von 3 Personen

Ursachen

Die Ursache krankheitsbedingter Mangelernährung basiert oftmals auf mehreren Faktoren, die zu einer unzureichenden Nahrungsaufnahme führen. Ferner werden in manchen Fällen nicht genügend Nährstoffe aufgenommen, wenn die Nahrungsverfügbarkeit nicht gegeben ist (z.B. durch Armut, Selbstvernachlässigung, Probleme beim Einkaufen oder Kochen) oder wenn verminderter Appetit (z.B. aufgrund von Erkrankungen bzw. Therapien, Depressionen, kognitiven Problemen) oder Probleme beim Essen (z.B. durch schlecht sitzenden Zahnersatz, vermindertes Geschmacksempfinden) trotz ausreichender Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zu einer suboptimalen Nahrungsaufnahme führen.

Klinische Folgen

Mangelernährung hat gravierende klinische Folgen: Durch Beeinträchtigung des funktionellen Status steigen Mortalität, Morbidität und Dauer des Krankenhausaufenthalts. Bei mangelernährten Patienten kann auch die Unabhängigkeit eingeschränkt sein, da sie mit größerer Wahrscheinlichkeit in eine Pflegeeinrichtung aufgenommen werden oder häusliche Pflege benötigen, öfters stationär behandelt werden, mehr Arztbesuche absolvieren und ihnen häufiger Medikamente verschrieben werden[3,12].

Folgen für die Wirtschaft

Krankheitsbedingte Mangelernährung hat nicht nur klinische Folgen, sondern belastet auch das Gesundheitssystem mit beträchtlichen Kosten. In der Literatur wird angegeben, dass die mittleren Krankenhauskosten für mangelernährte im Vergleich zu normal ernährten Patienten mehr als das Doppelte betragen[13]; die durch Mangelernährung verursachten Gesamtkosten für das Gesundheitssystem werden in Milliarden Euro pro Jahr gemessen[14]. Diese zusätzlichen Kosten können durch ein angemessenes Management des Ernährungsstatus von Risikopatienten gesenkt werden.

Screening, Diagnose und Behandlung

Insbesondere für ältere Patienten und Personen, für die ein hohes Gebrechlichkeitsrisiko besteht, wird eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Mangelernährung empfohlen. Zu diesem Zweck können verschiedene Instrumente einzeln oder in Kombination angewendet werden. Das Comprehensive Geriatric Assessment (CGA) ermöglicht beispielsweise Einsichten in die Faktoren, die zu Mangelernährung führen, während die MUST- oder MNA-Screening-Scores das Vorhandensein einer Mangelernährung und ihre Ursachen aufzeigen[15,16].

Die Behandlung einer Mangelernährung stützt sich immer auf zwei Säulen:

  1. Therapie der zugrunde liegenden Ursachen (z.B. Depressionen, Selbstvernachlässigung) und
  2. Verbesserung des Ernährungsstatus.

Die Ernährungstherapie sollte daher in die Behandlung der Grunderkrankung bzw. Gebrechlichkeit integriert werden[1]. Allerdings zeigen einige Studien, dass noch immer weniger als 50 % der Patienten, bei denen eine Mangelernährung diagnostiziert wurde, eine Ernährungstherapie erhalten[15,16].

Die diätetische Behandlung der Mangelernährung besteht aus einer Ernährungstherapie, die von einem Arzt individuell festgelegt wird und erfolgt entweder über die Anreicherung von Nahrungsmitteln und/oder Verabreichung oraler Nahrungsergänzungsmittel (ONS) sowie in Form einer Sonden- und/oder parenteralen Ernährung. ONS sind nachgewiesenermaßen sowohl im klinischen als auch im ambulanten Umfeld der wirksamste Weg zur Erhöhung der Energie- und Proteinzufuhr, Verbesserung der funktionellen Kapazität und des klinischen Verlaufs sowie zur Verkürzung des Klinikaufenthalts und Senkung der Mortalitätsrate[17].
 

Referenzen

  1. Stratton R, Green C, Elia M. Disease-related malnutrition: an evidence based approach to treatment. Wallingford: CABI Publishing; 2003.
  2. Meijers JM, Schols JM, van Bokhorst-de van der Schueren MA, Dassen T, Janssen MA, Halfens RJ. Malnutrition prevalence in The Netherlands: results of the annual Dutch national prevalence measurement of care problems. Br J Nutr 2009; 101(3):417-423.
  3. Russell C, Elia M. Nutrition screening survey and audit of adults on admission to hospitals, care homes and mental health units. 2008. Redditch, BAPEN.
  4. Imoberdorf R, Meier R, Krebs P, Hangartner PJ, Hess B, Staubli M et al. Prevalence of undernutrition on admission to Swiss hospitals. Clin Nutr 2010; 29(1):38-41.
  5. Kruizenga HM, Wierdsma NJ, van Bokhorst MA, de vdS, Hollander HJ, Jonkers-Schuitema CF et al. Screening of nutritional status in The Netherlands. Clin Nutr 2003; 22(2):147-152
  6. Suominen MH, Sandelin E, Soini H, Pitkala KH. How well do nurses recognize malnutrition in elderly patients? Eur J Clin Nutr 2009; 63(2):292-296.
  7. Lelovics Z, Bozo RK, Lampek K, Figler M. Results of nutritional screening in institutionalized elderly in Hungary. Arch Gerontol Geriatr 2009; 49(1):190-196.
  8. Parsons EL, Stratton RJ, Elia M. An audit of the use of oral nutritional supplements in care homes in Hampshire. Proc Nutr Soc 2010; 69:E197.
  9. Kaiser MJ, Bauer JM, Ramsch C, Uter W, Guigoz Y, Cederholm T et al. Frequency of malnutrition in older adults: a multinational perspective using the mini nutritional assessment. J Am Geriatr Soc 2010; 58(9):1734-1738.
  10. Norman K, Pichard C, Lochs H, Pirlich M. Prognostic impact of disease related malnutrition. Clin Nutr 2008; 27(1):5-15.
  11. Amaral TF., Matos LC., Tavares MM., Subtil A., Martins R., Nazaré M., Sousa Pereira N. The economic impact of disease-related malnutrition at hospital admission. Clin Nutr 2007; 6:778-84.
  12. Elia M, Stratton R, Russell C, Green C, Pang F. (2005) The cost of disease related malnutrition in the UK and economic considerations for the use of oral nutritional supplements (ONS) in adults. BAPEN.
  13. Kondrup J.,  Allison S.P., Elia M. , Vellas B., Plauth B. ESPEN Guidelines for Nutrition Screening 2002. Clin Nutr 2003; 22(4): 415–421
  14. Van Asselt D.Z.B., Van Bokhorst-de van de Schueren M.A.E., Olde Rikkert M.G.M. Leidraad ondervoeding bij de geriatrische patiënt. 2010
  15. Loch H. et al. Introductory to the ESPEN Guidelines on Enteral Nutrition: Terminology, Definitions and General Topics.  Clin Nutr 2006; 25:180–186.